Das war der Moment RIO : 11.08.2016

Bildschirmfoto 2016-08-12 um 00.37.41

nun war es endlich soweit, die Finalrennen der Doppelvierer in Rio konnten stattfinden.

Pünktlich 15:00 Uhr trafen sich alle Public- Viewing- Fans im Bootshaus um gemeinsam mitzufiebern und die Daumen zudrücken.

Die Männer begannen mit einen spektakulären Rennen auf der Außenbahn und gewannen das erste Gold für den Deutschen Ruderverband bei diesen Olympischen Spielen.

20 Minuten später war es dann auch für Julia Lier soweit, die Ampel sprang auf grün und die Frauen ließen die Freude und Anspannung auf das Rennen ihres Lebens raus.

Nach einen guten Start konnten sie sich auf einen kräftigen Streckenschlag einpendeln. Die Polen legten mit viel Euphorie los und lösten sich vom Deutschen Boot.

Die Anspannung von allen Vereinsteilnehmern und Freunden war deutlich spürbar, bis laute Zurufe und Pfiffe hörbar waren als die Kameraeinstellung zeigte, dass die Nummer vier des deutschen Bootes sich an den Polen vorbeischob bei 1750m. Freude und Jubel machte sich explosionsartig im Raum breit.

Diese beherzten Jubelrufe wurden lauter durch, dass Geräusch der Zielhupe und dem Wissen, dass der Doppelvierer als erster die Ziellinie überquerte.

Jetzt liefen die Freudentränen über die Wangen und wir waren alle glücklich, denn es gab eine Goldmedaille für unsere Julia Lier aus Halle .

Die vielen Wasserkilometer auf den Kanal und in Trainingslagern, die Abwesenheit bei Freunden und Familienfeiern sowie langweiliges Wintertraining, welches sich jährlich wiederholte wurde heute belohnt. Und spiegelt sich in goldener- Farbe und runden- Design um Julias Hals wieder.

Herzlichen Glückwunsch zum OLYMPIASIEG der Crew mit

Lisa Schmidla, Julia Lier, Carina Bär, Annekatrin Thiele, Bootstrainer Sven Ück und Heimtrainer Frank Köhler.

 

Hier ist der Artikel aus der F.A.Z. und der MZ

FREITAG, 12. AUGUST 2016
SPORT
Doppeltes Vierer-Glück
Zwei Siege innerhalb von fünfzehn Minuten – die deutschen Ruderer eilen von Erfolg zu Erfolg. Der Weg dorthin aber hätte unterschiedlicher nicht sein können. Von Evi Simeoni

RIO DE JANEIRO. Er hat es wieder getan. Als der deutsche Doppelvierer der Männer im Ziel war, nach 2000 Metern Kampf – und er war wieder Olympiasieger, genau wie vor vier Jahren in London –, da stellte sich Lauritz Schoof, der Mann auf Position drei, aufs Boot und reckte die Arme in die Luft. Wie ein Kraftprotz stand er da, präsentierte seine Muskeln und signalisierte den geschlagenen Australiern noch einmal, dass ihr Versuch, sie auf den letzten 500 Metern noch niederzuzwingen, zum Scheitern verurteilt gewesen war. Keiner konnte dem deutschen Doppelvierer in diesem Rennen widerstehen, auch nicht das dominante Boot der ganzen Saison, es war ein klassischer Start-Ziel-Sieg auf dem bewegten Wasser der Lagoa de Freitas. Ob Schoofs Blick, als er auf dem kippligen Boot stand und versuchte, die Balance zu halten, dabei auf Christus den Erlöser gefallen ist, der auf dem Felsen gegenüber seine steinernen Arme ausbreitet? Der hat in Rio de Janeiro wahrscheinlich Wichtigeres zu tun, als dem Deutschen Ruderverband oder dem Deutschen Olympischen Sportbund aus ihrem brasilianischen Medaillentief zu helfen.

Und doch: Innerhalb einer knappen Viertelstunde kam die zweite Goldmedaille hinzu: Der Doppelvierer der Frauen mit Schlagfrau Lisa Schmidla machte es den Männern nach, aber erst zum Schluss. Das Rennen war schwer für die vier Frauen, hinter Schmidla kämpften Julia Lier, Carina Bär und Annekatrin Thiele. Das polnische Boot war von Anfang an in Führung gegangen und schien weit entrückt, doch die deutschen Damen behielten die Nerven, arbeiteten sich Stück für Stück nach vorne, hielten auch die von hinten aufrückenden Niederländerinnen in Schach und warteten erfolgreich darauf, dass die Kräfte der Konkurrenz nachließen. Etwa 250 Meter vor dem Ziel war es dann so weit. Die deutschen Damen erhöhten die Schlagzahl und schoben sich an die Spitze. Michael Vesper, der Chef de Mission des deutschen Teams, war nicht vergeblich an die Regattastrecke geeilt. Strahlend und mit zweimal Gold kehrte er zurück. Am Samstag, beim Achterrennen, könnte sogar noch ein drittes Gold hinzukommen.

So gleichförmig das Ergebnis, so unterschiedlich war für beide Boote der Weg dorthin. Der Frauen-Doppelvierer hatte bereits seinen Vorlauf gewonnen und konnte sich ganz ungestört auf das Finale vorbereiten. Die gesparten Kräfte brauchten die Ruderinnen aber auch. „Wir wussten, dass wir nach hinten heraus stark sind, und sind cool geblieben“, sagte Julia Lier. So hatten sie es sich vorgenommen. Wie schnell und kräftezehrend dieses Rennen in der klassischen deutschen Erfolgs-Bootsklasse war, zeigte das Schicksal der Polinnen, die noch auf Platz drei hinter die Niederlande zurückfielen.

Die Männer mit dem erst jüngst ins Boot geholten Schlagmann Hans Gruhne, dazu Karl Schulze, Lauritz Schoof und Philipp Wende, hatten sich schwerer getan auf dem Weg ins Finale und einen Umweg über den Hoffnungslauf nehmen müssen. Doch diese Zusatzübung entpuppte sich als Vorteil. Bei diesem Zwischen-Sieg hätten sie Selbstvertrauen getankt, sagte Schoof. Umso kraftvoller dann ihr Endlauf, vor allem die erste Phase des Rennens. „Wir wollten unsere Grundschnelligkeit ausspielen“, sagte Gruhne. „Wir haben allerdings nicht damit gerechnet, dass keiner mitfahren kann.“ Den Australiern, Sieger der Olympia-Generalprobe in Luzern, sprach der Rendsburger Schoof trotz aller tagesaktuellen Genugtuung seine Hochachtung aus. „Sie waren die technisch beste Mannschaft der Saison.“ Der Stress der wechselhaft verlaufenen Saison war da vergessen, und auch die Verlegung des Finallaufs wegen schlechten Wetters um einen Tag. Doch er wirkte nach. Als das Rennen vorüber war und er am Steg stand, fühlte Gruhne eine „unglaubliche Befreiung“. Und dann: „Irgendetwas zwischen Freude und Leere.“ Nach einer unklaren Erkrankung hatte er lange pausieren müssen und war erst nach schwachen Ergebnissen in Luzern und bei der EM in Brandenburg eingewechselt worden.

Am Rand der malerisch gelegenen, aber extrem windanfälligen Regattastrecke zeigten sich auch die Achter-Ruderer in bester Stimmung. „Wir freuen uns auf das Rennen“, sagte Schlagmann Hannes Ocik, der zusammen mit der Mannschaft auch den Hoffnungslauf der Konkurrenz beobachtete. Genau wie die Erzrivalen aus Großbritannien hatte der Deutschland-Achter den Vorlauf am Montag gewonnen und sich direkt für das Finale qualifiziert und konnte Kraft sparen. Das haben wir uns erarbeitet“, sagte Ocik zufrieden. Zweimal war auch der Start des Achter-Hoffnungslaufs wegen starken Windes verschoben worden, vom Mittwochvormittag zunächst auf den Nachmittag, danach auf Donnerstag. „Das ist ein kleiner Vorteil für uns“, sagte Bundestrainer Ralf Holtmeyer. „Die Anspannung ist vor einem Rennen natürlich hoch, sie bereiten sich mental darauf vor. Ich kann mir aber vorstellen, dass sie das von sich wegschieben können.“ Viel Aufwand jedenfalls dafür, dass am Ende nur ein Achter ausschied: Italien. Den Hoffnungslauf gewannen die Amerikaner vor den Niederlanden, die nach ihrem Luzern-Sieg eigentlich als stärker angesehen wurden. Oder pokerten sie? Das wird die Welt erst am Samstag erfahren, wenn der große Endkampf steigt: Neben Deutschland, Großbritannien, den Niederlanden und den Vereinigten Staaten sind noch Neuseeland und Polen dabei. „Ich würde hier niemanden abschreiben“, sagte Achter-Ruder Eric Johannesen.

Olympia 2016 / RIO 2016
Starkes Finish, starke Nerven
RUDERN Die Hallenserin Julia Lier sichert sich mit dem Doppelvierer Gold. An der Regattastrecke in Rio und auch in Halle freuen sich Fans und Familie mit.

VON PETRA SZAG

RIO DE JANEIRO/HALLE/MZ – Annekatrin Thiele war es erstmal egal. Die Ruderin aus Leipzig pfiff auf die schlechte Wasserqualität und hüpfte völlig losgelöst in die Lagoa Rodrigo de Freitas. Zu so einer Spontanität ließ sich ihre Bootskollegin Julia Lier nicht hinreißen. Während ihr Puls noch immer wie verrückt raste, lächelte die Hallenserin glückselig, schlug die Hände vors Gesicht und tätschelte erst die Schulter der vor ihr sitzenden Schlagfrau Lisa Schmidla, die sich völlig ausgepumpt zurückfallen ließ in ihrem Doppelvierer. Dann ging Liers Arm nach hinten, wo Carina Bär auch schon ihre Hand suchte. Keine Frage, diese Vier sind ein eingeschworenes Team.

Starker Schlussspurt

Sie alle haben gekämpft, das Letzte aus sich heraus geholt und sind dafür mit olympischem Gold belohnt worden. Vor allem aber haben sie das Vertrauen gerechtfertigt, das die verantwortlichen Trainer in sie gesetzt haben. Denn erst kurz vor Ultimo bekamen die vier Weltmeisterinnen von 2014 die gemeinsame Starterlaubnis für den Wettkampf im Zeichen der Ringe. Als das Flaggschiff des deutschen Frauenruderns beim Weltcup im Mai in Luzern noch von Polen abgehängt wurde, da saß Julia Lier nämlich noch nicht in dem Boot.

Und nun Gold. Nach dem klaren Vorlaufsieg als großer Favorit an den Finalstart gegangen, haben die Deutschen an diesem Donnerstag unglaubliche Nervenstärke bewiesen. „Wenn wir selbst nicht an uns glauben, wer soll das dann“, sagte Julia Lier keck beim Siegerinterview. Auch dass sie nach 1 700 der insgesamt 2 000 Meter noch auf Platz zwei gelegen hatten, machte die Vier offenbar gar nicht unruhig. „Wir wussten, dass wir hinten heraus stark sind und sind cool geblieben“, sagte die 24 Jahre alte Sportsoldatin aus Halle erstaunlich abgeklärt.

Es waren wieder die Polinnen, die Lier und Co. den Fehdehandschuh hinwarfen. „Wahrscheinlich haben sie sich gesagt: Wir schlagen die Deutschen mit ihren eigenen Waffen“, meinte der in diesem Augenblick fast 10 000 Kilometer von Julia Lier entfernte Frank Köhler. Der Olympiasieger-Trainer hatte im heimischen Bootshaus am Saale-Ufer den Krimi auf dem olympischen Wasser mitverfolgt. Gemeinsam mit anderen halleschen Sportlern und Trainern der verschiedensten Sportarten. Und den Eltern von Halles Schwimmstar Paul Biedermann.

Als alles vorbei war, holte Köhler schließlich einen Kasten Bier, Sekt und allerlei Grillzeug hervor, um den Sieg seines Schützlings mit anderen zu feiern. „Ich bin da abergläubig, deshalb habe ich das heimlich besorgt „, erklärte er und lächelte verschmitzt.

Natürlich weiß er um die Stärke des Quartetts. Über das gesunde Selbstbewusstsein seines Schützlings staunte aber auch er ein bisschen. Er selbst war sich der Sache lange nicht sicher. „Als sie so 150 Meter vor dem Ziel erstmals ihre Bug-Spitze an der der Polinnen vorbeigeschoben haben, da habe ich geglaubt, sie können das schaffen.“ Der Rückstand zu den Furios-Startern war zwischenzeitlich schließlich schon auf mehr als eine Bootslänge angewachsen. Am Ende zogen sogar noch die Niederländerinnen an den lange führenden Polinnen vorbei und sicherten sich Silber.

Nur einen Steinwurf entfernt von der Regattastrecke war Julia Liers Familie nicht weniger happy. Sie hatte auf einer Tribüne vor dem sogenannten Siegersteg mitgefiebert. Ihr Freund Chris Hajek stand dann auch auf Sichtkontakt, als die Goldmädels im silberfarbenen Look ihre Medaillen um den Hals gehängt bekamen. Hajek wusste, wie schwer es war, bis zum Schluss fokussiert zu bleiben. Und die Formkurve hoch zu halten. Schließlich hatte sich der deutsche Doppelvierer durch die überragende Vorstellung im Vorlauf am Samstag den Hoffnungslauf am Dienstag erspart. Dass das tags zuvor schon einmal angesetzte Finale wegen zu starken Windes noch einmal verschoben werden musste, machte das Unternehmen Olympia-Gold auch nicht gerade einfacher. Vier Tage Pause. „Sie haben zwischendurch ein Belastungstraining gemacht“, erklärte der Ex-Ruderer. Er wird mit seinem Bruder Lukas in Kürze den Urlaubstrip durch Südamerika fortsetzen. Seine Julia soll nun die Zeit dafür haben, ungestört das olympische Flair aufzusaugen und sich andere Wettbewerbe anzuschauen. Bisher waren sie und ihre Mitstreiterinnen „im Tunnel“.

Das Rennen der Männer-Doppelvierer hat Julia Lier aber auch deshalb verpasst, weil es nur Minuten vor dem eigenen ausgetragen wurde. Sie hat wahrscheinlich erst später mitbekommen, dass ihre Auswahlkollegen die Goldspur gelegt haben. Im Gegensatz zu den Frauen kam deren Sieg überraschend, sie hatten den Umweg über den Hoffnungslauf nehmen müssen.

Weitere Medaillenchancen

Nun hat der Deutschland-Achter noch die Chance, die Bilanz weiter aufzuhübschen. Das Paradeboot der DRV-Männer geht am Samstag auf den olympischen Prüfstand – als Favorit. Auch ein Ruderer aus Sachsen-Anhalt hat noch Chancen auf Edelmetall. Der Bernburger Maximilian Planer greift am heutigen Freitag mit dem Vierer ohne Steuermann an.

„Wenn wir selbst nicht an uns glauben, wer soll das dann.“

Julia Lier

Olympiasiegerin aus Halle