Weltcup 2011 in Hamburg

Das gelbe Laibchen sitzt gut – Auch super Einstand für Julia Lier

Hamburg. Auch wenn es wegen der EHEC-Erkrankungen im Norden Deutschlands zu stark dezimierten Meldefeldern beim 2. Ruderweltcup 2011 gekommen war, boten die Akteure auf dem Wasser bei echtem Hamburger Schiitwetter (teils starker Regen, böiger Seitenwind und Kälte) großen Rudersport.

Von unserer HRV Böllberg/Nelson waren Julia Lier im Doppelzweier und Florian Eichner im Deutschlandachter dabei.

Für Julia Lier war es der erste Weltcupeinsatz – und den meisterte sie mit Bravour. Mit sicherem Vorlaufsieg qualifizierte sie sich mit ihrer Partnerin Lisa Schmidla direkt für das Halbfinale und traf dort u.a. auf Weißrussland 1 und Deutschland 1 (Dunsing/Wengert). Der dritte Platz in diesem Rennen bedeutete die überraschende Qualifikation für das A-Finale. Hier griffen die beiden U-23-Skullerinnen mutig an und lagen bei der Streckenhälfte noch aussichtsreich auf Medaillenkurs. Der starke Seitenwind forderte allerdings von den jungen Sportlerinnen zusätzlichen Tribut. Am Ende gewannen die Polinnen vor Deutschland 1 und Weißrussland 1. Die als Deutschland 3 gemeldete Besatzung mit Julia Lier und Lisa Schmidla wurde Vierte und hatte im Ziel nur 3,5 Sekunden Rückstand auf die Bronzemedaille. Die beiden Ruderinnen können mit dem Rennverlauf wohl trotzdem sehr zufrieden sein, denn sie schlugen immerhin Deutschland 2 mit den erfahrenen Skullerinnen Juliane Domscheit und Peggy Waleska.

Bundestrainer Ralf Holtmeyer verfügt in diesem Jahr über einen sehr starken und ausgeglichenen Männer-Riemen-Kader. In Hamburg kam es zur Kaderrotation. Der komplette Vierer ohne Steuermann mit Florian Eichner, der beim Weltcup in München Bronze holte, rückte in den Deutschlandachter. Dafür wurden vier Achterruderer im Vierer gemeldet. Das Rotationsprinzip ging auf: Der Vierer ohne mit Wilke/Schmidt/Kuffner/Johannesen gewann das Finale in packendem Zieleinlauf vor dem amtierenden WM-Dritten Neuseeland. Schade war hierbei, dass Vizeweltmeister Griechenland und Olympiasieger Großbritannien nicht gemeldet hatten. So wären klarere Schlüsse möglich gewesen.

Auch der Achter fuhr umbesetzt einen sicheren Start-Ziel-Sieg ein. Es war der 23. Sieg auf der 2000m-Distanz in Folge. Was für eine unglaubliche Serie! Der Abstand zu den Polen gestaltete sich ähnlich wie beim Münchener Weltcup. Somit sind augenscheinlich beide Achtercrews gleich stark. Ralf Holtmeyer hat nun die Qual der Wahl.

Mit dem gelben Laibchen des Weltcupführenden dekoriert verzichteten die Achterruderer bei der Siegerehrung frierend im strömenden Hamburger Regen aber auf das sonst übliche Presse-Blitzlichtgewitter sowie auf das Baden des Steuermannes und verschwanden recht schnell vom Siegersteg.

Florian Eichner hofft nun auch auf eine Nominierung für einen Rollsitz in einer olympischen Bootsklasse: „Das hier durchgeführte Rotationsprinzip halte ich für richtig. Wenn wir gute Mannschaftsboote haben wollen, darf niemand einen Stammplatz sicher haben und wir brauchen einen Kader von gleichstarken Sportlern, die auch technisch miteinander rudern können. Ich hoffe sehr auf eine Nominierung für den Achter, würde mich aber auch über eine Berücksichtigung für den Vierer ohne freuen.“

Rudersport der Extraklasse gab es aber auch noch im Zweier ohne der Männer. Die amtierenden Weltmeister aus Neuseeland Eric Murray und Hamish Bond machten bereits im Vorlauf Jagd auf den von den Briten James Cracknell und Matthew Pinsent bei der WM 2002 in Sevilla mit 6:14,27 min aufgestellten Weltrekord. In 6:19,18 min gewannen die Neuseeländer ihren Vorlauf mit knapp 40 Sekunden vor Argentinien. Im Finale bestätigten sie nochmals mit 6:20,39 min und 14 Sekunden (!) vor Deutschland (Munski/Drahotta) ihre Leistungsfähigkeit und machten klar, dass WM-Gold in dieser Bootsklasse 2011 wohl schon vergeben scheint. Auf den britischen Konter in Luzern dürfen wir uns jetzt schon freuen.

Ebenfalls sehenswert war der spannende Zieleinlauf des Männerdoppelvierers. Weltmeister Kroatien überspurtete das bis kurz vor dem Ziel führende deutsche Boot. Auch der Frauenachter zeigte sich mit einem klaren Sieg deutlich verbessert. Bei den Einern gab es keine Überraschungen. Hier siegten Ekaterina Karsten (Weißrussland) und Mahe Drysdale (Neuseeland).

Thomas Eichner

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